Gedenken an die Opfer der Pogromnacht in Cannstatt

Am 9. November 2017 organisierte, wie jedes Jahr, die Initiative zum Gedenken an die Opfer der Pogromnacht in Cannstatt eine Gedenkveranstaltung. Etwa 200 Antifaschistinnen und Antifaschisten folgten dem Aufruf und versammelten sich auf dem Platz in der König-Karl-Straße, an dem einst die Synagoge stand. In verschiedenen Redebeiträgen wurde auf einzelne Schicksale von Jüdinnen und Juden aus Stuttgart eingegangen, aber auch auf den aktuellen gesellschaftlichen Rechtsruck, der unsere Aktivität fordert. Begleitet wurde das Gedenken auch in diesem Jahr vom Freien Chor.

Im Anschluss an die Kranzniederlegung ging man gemeinsam zur Veranstaltung in Kooperation mit der Stolpersteininitiative im Rathaus. Bei heißem Tee haben sich dort knapp 80 Personen Kurzfilme der Reihe „Fragezeichen“ angesehen, die SchülerInnen aus Interviews mit ZeitzeugInnen produziert haben. Eindrücklich und sehr persönlich konnte auf diese Weise ein Einblick gewonnen werden, welchem Terror Jüdinnen und Juden in den 30er Jahren in Stuttgart ausgesetzt waren.

Einige Eindrücke des Abends:

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Und unsere Rede auf der Gedenkveranstaltung:

Liebe Genossinnen und Genossen,

mit dem Einzug der AfD in den Bundestag scheint für viele in den bürgerlichen Parteien die Welt zusammenzubrechen. Plötzlich seien „zum ersten Mal seit 1945 wieder Nazis im Parlament“. Dies ist nicht nur falsch, wenn man an all die personelle Kontinuität in der BRD wie Filbinger oder Kiesinger denkt. Schon lange vor dem Einzug der AfD in den Bundestag fand in Deutschland ein gesellschaftlicher Rechtsruck statt. Dieser zog sich durch alle Parteien. Durch ihre Forderungen nach immer schärferen Asylgesetzen, mehr Überwachung oder eine populistische Rhetorik verschoben sie den Diskurs nach rechts. Dadurch wurden rechte Themen und Meinungen gesellschaftlich anschlussfähig. Aus Tabubrüchen, die sonst schockierten, wurden Meinungen, die man ernst nehmen müsse. So bot die neoliberale Politik der bürgerlichen Parteien den Nährboden für die AfD und andere rechte Kräfte. Auf der Straße sind rechte und reaktionäre Bewegungen wie Pegida, Identitäre oder die selbsternannte „Demo für Alle“ ein Ausdruck des Rechtsrucks. Diese stellen durch ihre Straßenpräsenz eine spürbare Gefahr für Migrantinnen und Migranten und andere Minderheiten dar.

Das heißt jedoch nicht, dass wir die AfD aus den Augen verlieren sollten. Sie ist eine reaktionäre und in Teilen faschistische Partei. Ihre Politik zielt auf die Verschärfung der Verhältnisse und eine Spaltung der Gesellschaft ab. So plante die AfD eine Diskussionsverantaltung mit einem ehemaligen Blood & Honour-Aktivisten bei der rechten möchtegern-Gewerkschaft Zentrum Automobil. Entgegen dem Image, die es sich gibt, handelt es sich bei beim Zentrum Automobil um eine rechte Vereinigung, die nicht im Interesse der Belegschaft handelt. Sie ist der Meinung, dass ArbeitnehmerInnen und Arbeitgeber dieselben objektiven Interessen besitzen und stachelt die Belegschaft gegen migrantische Kolleginnen und Kollegen auf.

Die AfD arbeitet auch immer enger und offener mit der extremen Rechten und Nazis zusammen. Zum Beispiel fanden mehrere Nazikonzerte auf dem Grundstück eines AfD’lers im Südthüringischen Themar statt und in Halle/Saale besitzt die AfD ein Büro im Hausprojekt der Identitären Bewegung. Als Partei marginalisiert sie gesellschaftliche Minderheiten und spricht ihnen ihr Existenzrecht ab. Dadurch versucht sie aktiv, die Gesellschaft zu spalten und die bestehenden Verhältnisse zu verschärfen.

Die Identitären sind eine neurechte Bewegung nach französischem Vorbild. Sie sind geprägt durch junge,männliche Aktivisten, ein elitäres Auftreten und neue Formen der Propaganda. Sie greifen Themen wie Migration, Heimat oder Volk auf und erreichen durch kleine, medial inszenierte Aktionen eine große Reichweite. Durch ein modernes und gebildetes Auftreten schaffen sie es, auch Teile der konservativen Jugend anzusprechen und zu mobilisieren. Sie fielen in letzter Zeit vor allem durch ihre peinliche Odyssee auf dem Mittelmeer auf. Nichts desto trotz handelt es sich bei ihnen um ein gefährliches Phänomen. Zusammen mit der örtlichen AfD suchten Identitäre in Stuttgart vor dem Linken Zentrum im Vorfeld der Bundestagswahlen gezielt eine Konfrontation mit Antifaschistinnen und Antifaschisten. Zuvor wurden AfD’ler beim Plakatieren des Viertels verwiesen. Dieser Vorfall zeigt die enge Zusammenarbeit zwischen Identitären und AfD in Stuttgart.

Um den rechten Umtrieben in und um Stuttgart etwas entgegenzusetzen, müssen wir Abseits  vom „klassischen“ Konzept der Gegendemo neue Aktionsformen erarbeiten und unsere Praxis stetig erweitern. Dabei ist es wichtig, Sympathisanten und mögliche BündnispartnerInnen nicht abzuschrecken, sondern aufzuklären und zu beteiligen am Kampf gegen Rechts. Klar ist jedoch auch, dass wir nicht beim staatlichen Verständnis von Protest stehen bleiben. Die verschiedenen Aktionsformen ergänzen sich und müssen in einem solidarischen Verhältnis zueinander stehen. Das wir uns beim Kampf gegen den Faschismus nicht auf den Staat verlassen können, zeigen die vielen durchgeprügelten Naziaufmärsche und die Vestrickungen staatlicher Organe in die rechte Szene. Organisieren wir uns selbst, um gemeinsam und entschlossen zu handeln.

So negativ die Entwicklungen der letzten Jahre auch sein mögen, müssen wir jetzt erst recht weitermachen. Durch die Empörung über die AfD und den Rechtsruck gibt es in bürgerlichen, linken und liberalen Bevölkerungsschichten das Potential, mit linken Themen zu mobilisieren. Es liegt an uns, jetzt eine breite Gegenbewegung aufzubauen und in diese die Widersprüche der bestehenden Verhältnisse zu tragen.

Wie schon vor über 70 Jahren ist das Erstarken rechter und faschistischer Strömungen ein Ausdruck sich zuspitzender Verhältnisse. Schlussendlich dienen diese Verhältnisse der Sicherung der kapitalistischen Ordnung und der Bekämpfung gesellschaftlicher Perspektiven fern von Ausbeutung und Unterdrückung.
Damals wie heute gilt daher: Ein konsequenter Antifaschismus ist legitim und notwendig für den Aufbau einer befreiten Gesellschaft!
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Stuttgart, 9. November 2017

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Gedenken an die Pogromnacht 1938 in Cannstatt

Vor 78 Jahren brannten im deutschen Reich die Synagogen, Geschäfte und Wohnhäuser wurden demoliert und Menschen deportiert. Seit einigen Jahren erinnern wir gemeinsam mit anderen an die Ereignisse vom 9. November 1938 und organisieren eine Gedenkveranstaltung am Ort der ehemaligen Synagoge in Cannstatt. In diesem Jahr beginnt die Veranstaltung um 18 Uhr, musikalische Beiträge kommen vom Freien Chor.
Erinnern heißt gedenken und kämpfen: Nie wieder Faschismus!

>> weitere Infos auf dem Bündnisblog

Gedenkveranstaltung in Cannstatt zur Pogromnacht 1938

73903948Am 9. November fand in Stuttgart-Cannstatt eine Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die Opfer der deutschen Faschisten der Novemberpogrome 1938 statt.
Zu Beginn gab es eine Kundgebung am Wilhelmsplatz, wo verschiedene Reden – unter anderem vom Zeitzeugen und Kommunisten Thedor Bergmann – gehalten wurden. Er ging in seiner Rede auf die Entstehung des deutschen Faschismus, sowie dessen aggressive Vernichtungskriege und die Vernichtung von Millionen von Menschen ein. Auch benannte er klar und deutlich die historischen Fehler, die zu der Zeit von antifaschistischen Kräften begangen wurden und rief dazu auf, aus diesen zu lernen und den Kampf gegen die Faschisten heute fortzuführen.

Auch das AABS beteiligte sich an der Kundgebung und hielt eine Rede, welche sich mit der unsäglichen öffentlichen Umdeutung des 9. November zu einem Feiertag zum „Sieg“ über den Sozialismus statt einem antifaschistischen Gedenktag, sowie dem Kampf gegen die Faschisten heutzutage auseinandersetzte. Weiterlesen

50 Antifaschistinnen und Antifaschisten gedenken Johan Gahr

Gedenken an Johann Gahr

Foto: Beobachter News

Am Montag, den 20.01.2014, versammelten sich rund 50 Antifaschistinnen und Antifaschisten in Göppingen vor dem Marstall. Erinnert wurde an die Ermordung des Göppinger Antifaschisten Johan Gahr, der am 20.01.1939 gewaltsam an diesem Ort, vermutlich von Nazis, zu Tode gefoltert wurde. Um 20 Uhr rief deshalb die VVN- BdA und die Antifaschistische Gruppe Göppingen zum Gedenken auf. Das AABS folgte diesem Ruf und war mit einer Delegation vertreten.

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Gedenkkundgebung zu Johan Gahr in Göppingen

gahr1Am 20.1.1939 kam Johann Gahr im damaligen Oberamtsgefängnis Göppingen im Verhör zu Tode. Mehrere Indizien sprechen dafür, dass die Nazis sich an dem bekannten Göppinger Antifaschisten rächten. Die VVN- BdA und die Antifaschistische Gruppe Göppingen  laden deshalb am 20.01.2014 zu einer Gedenkkundgbung in Göppingen ein.  Auch wir werden der Einladung folgen und am 20.01 2014 nach Göppingen fahren.
Weitere Infos zu Johan Gahr und zur Veranstaltung findet ihr auf der Seite der Antifaschistischen Gruppe Göppingen.

20.01.2014 |20 : 00 Uhr | Gedenkkundgebung |Pfarrstraße Jugendarrestanstalt

Unsere Rede anlaesslich des 75. Gedenktages der Reichspogromnacht

Am 09. November jährte sich die Reichspogromnacht bereits zum 75. Mal. Gemeinsam mit anderen Organiationen riefen wir deshalb dazu auf, am Platz der ehemaligen Synagoge in Bad Cannstatt der Opfer des faschistischen Terrors zu gedenken. Dem Aufruf folgten über 200 Antifaschistinnen und Antifaschisten. Für alle die nicht dabei waren, hier noch mal unser Redebeitrag:

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