Fuck the greyzone! Kein „Stomper 98“ Konzert im Juha Herrenberg!

Im JuHa Herrenberg soll am 17. Oktober ein Grauzonekonzert mit der Band „Stomper 98“ stattfinden. In den vergangenen Wochen haben wir gemeinsam mit vielen anderen das Gespräch mit Jugendhaus und Veranstalter gesucht. Trotz eindeutiger Anzeichen dafür, dass sich „Stomper 98“ weiterhin nicht von der rechten Gedankenwelt entfernt hat, rücken Jugenhaus und Veranstalter nicht vom Konzert ab. Mit Bands und alternativen Zentren haben wir daher eine öffentliche Stellungnahme verfasst.

Fuck the Greyzone!
Im Jugendhaus Herrenberg soll am 17. Oktober ein Konzert mit der Band Stomper 98, die der Grauzone zuzuordnen ist, stattfinden. Der Veranstalter behauptet, dass sich die Band in Interviews vollständig von ihrer rechten Vergangenheit entfernt haben soll und die aufgeführten Beweise, dass sie sich nach wie vor in einem rechten Sumpf bewegen seien veraltet. Die ursprünglichen Auslöser für die Debatte um Stomper 98 mögen vielleicht einige Jahre zurück liegen, von einem Abwenden von der rechten Wertewelt ist die Band aber noch weit entfernt.

Stomper-Sänger Sebastian Walkenhorst pflegte noch bis lange nach seinem Ausstieg aus der aktiven Neonaziszene Kontakte zu Rechten. Walkenhorst hat sich zwar von faschistischen Strukturen losgesagt, sich den Rückweg dorthin aber nie verbaut, was in der Regel durch klare Distanzierung und Offenlegen von Informationen geschieht. Das heißt, dass Kontakte, vor allem über die Musikszene, nach wie vor bestehen. Ab 2008 tauchten immer wieder Fotos von Stomper- Mitgliedern mit Anhängern des rechten Musiksumpfes auf (Bspw. Walkenhorst mit Endstufe-Sänger oder Flacke mit Faschistin Heidi S.).
In der darauf folgenden Auseinandersetzung, die überwiegend im Netz stattfand, ob der Fall Stomper 98 nun der Grauzone zuzuordnen ist oder nicht, kam es erst zu beleidigten Zurückweisungen der Band und anschließenden halbgaren Schuldeingeständnissen. Der Veranstalter des Konzerts in Herrenberg verwies nach Anfrage auf Interviews im OX-Fanzine (für das Walkenhorst übrigens selbst arbeitet), die angeblich die Distanzierung der Band zur rechten Szene belegen soll. Zwar bekennen sich Stomper 98 darin als Antirassisten und wollen dies durch konkretes Eingreifen in brenzligen Situationen belegen, allerdings sind sie dabei keineswegs konsequent und versuchen nicht einmal sich ernsthaft mit den verschiedenen rechten Tendenzen in ihrem Umfeld auseinanderzusetzen, geschweige denn sich dagegen zu wehren. Die Gegenargumentation findet durchgehend apolitisch statt. Es wird sich in der gesamten Aufarbeitung nicht von Bandmitgliedern distanziert, die aktiv Kontakte in die rechte Szene pflegen. Phil Rigaud, Schlagzeuger bei Stomper 98, ist federführender Teil einer rechten Musikszene in den USA. Er spielte bei der rechten Band First Strike und ebenso bei den Templars, die mit xenophoben und sozialdarwinistischen Texten glänzen. Ein Beispiel: „Fuck the third world let them strave […] Fuck trade wars, we`ll close our doors. Fuck immigration we`ve got our own population“. Neben seiner Mitwirkung an rechten Bandprojekten ist er auch organisatorischer Teil der Szene, in der er immer wieder Konzerte mit höchst fragwürdigen Bands mit faschistischen und rechten Inhalten wie Ultimo Asalto und Glory Boys ausrichtet. Dies beweist, dass der Schlagzeuger, der durch seine dunkle Hautfarbe von Stomper 98 immer wieder gern als Aushängeschild für Antirassismus vorgeschoben wird, alles andere als eine saubere Weste hat und sicherlich für einiges, aber nicht für „Flagge zeigen gegen Nazis“ steht. Ebenso hinterlässt die Mitgliedschaft Lars Frederiksens bei Stomper 98 einen eher bitteren Beigeschmack. Frederiksens Band The Old Firm Casuals spielte auf einer Tour durch England ausschließlich mit Rechtsrock- und Grauzonenbands wie Pressure 28 (28 steht hier für das Blood & Honour- Kürzel BH), Booze & Glory usw. Auf anderen Konzerten teilten sie sich die Bühne mit rechten Bands wie Kill Baby Kill oder Condemned 84. The Old Firm Casulties covert Songs der eindeutig rechten Band Screwdriver und spielte in dem belgischen Naziladen De Kasteleien. Gemeinsame Veröffentlichungen mit Grauzonen- und RAC-Bands (Rock Against Communism) sprechen für sich.

Neben den Personalien hinter der Band Stomper 98, die sich in einem rechten Dunstkreis bewegen und von denen sich die Band bis heute nicht lossagt, macht sich Sänger Walkenhorst im Interview lustig über eine berechtigte Debatte zum Thema Grauzone in der Oi-Szene. Als Grauzone wird eine sich selbst als unpolitisch darstellende Subkultur bezeichnet, die zwar keine direkte Glorifizierung des Nationalsozialismus in den Vordergrund stellt, aber eine Offenheit für rechte Denkmuster, Verhaltensweisen und kulturelle Elemente aufweist. Die AnhängerInnen dieser Szene sind in den meisten Fällen sicher keine Nazis oder Faschisten, dennoch fehlt eine klare Distanzierung. Häufig bestehen gute Kontakte in die organisierte Naziszene und es kommt nicht selten vor, dass auf Grauzonekonzerten unpolitischer bis rechter Bands Menschen mit NS-Symboliken geduldet werden. In Kombination mit homophoben und sexistischen Verhaltensweisen und der bewussten Zurückweisung politischer Korrektheit entsteht so ein Klima, in dem sich Rechte pudelwohl fühlen. Eine vermeintlich unpolitische, aber klar von rechts dominierte Erlebniswelt, ein „subkultureller Männerstammtisch“ (Antifaschistisches Infoblatt). In diesem Sumpf gären und reproduzieren sich rechte Vorurteile gegenüber linken Gegenkulturen und antikommunistische Hetze wird laut. Die als rebellisch gefeierte Ablehnung von fortschrittlichen Standards in der Subkultur ist ein Steigbügel für den rechten Mob, der heute nicht nur hierzulande wieder gefährlichen Aufwind erlebt.

Von diesen Argumenten gegen Stomper 98 will der Veranstalter Flo, der auch im Vorstand des Jugendhauses ist, nichts wissen. Flo zeigte sich zwar gesprächsbereit, jedoch behauptete er bis zuletzt, dass es sich bei Stomper 98 nicht um eine rechtsoffene Band handelt und dass er das Konzert nur absagen würde, wenn wir ihm einen Beleg für das Konzert von Frederiksens Band The Old Firm Casualites mit der Band Pressure 28 liefern. Alle anderen Belege für die Kontakte von Stomper 98 in rechte Kreise sind ihm egal. Lediglich der Flyer zu dem Pressure 28-Konzert würde ihn überzeugen, das Konzert VIELLEICHT doch noch abzusagen. Besagter Flyer wurde ihm zugeschickt, das Konzert wird trotzdem stattfinden.
Das Konzert im Juha Herrenberg verspricht also ein Abend zu werden, an dem sich von vermeintlich „unpolitisch“ über rechts-offen bis offen-rechts einiges aus der Region zusammen findet. Nicht genug, dass Stomper 98 eingeladen wurde – auch eine der Vorbands, in der Veranstalter und Jugendhausvorstand Flo selbst spielt, muss sich soziale und geschäftliche Verbindungen in rechte Kreise vorwerfen lassen. Durch die Personalüberschneidung mit der Band Lammkotze, die der dunkelsten Grauzone zugeordnet wird, toleriert Altstadt Standard das Label „unpolitisch“ als Deckmantel für rechte Netzwerke. Lammkotze spielte unter anderem im Skinhouse Menfis, einem Nazitreffpunkt im thüringischen Neustadt an der Orla. Im Skinhouse Menfis sind Konzerte möglich, während denen „unter anderem rassistische Lieder wie „When the Boat comes in“ mit der wiederkehrenden Textzeile „Nigger, Nigger get out of here“ gesungen“ (Quelle) und Hitler-Grüße gezeigt werden. Aber nicht nur das enge Netzwerk zu rechtsoffenen Bands lassen einen bei der näheren Betrachtung von Altstadt Standard stutzig werden. Mit der Wahl des Labels Randale Records wurde sich für das zweitgrößte Grauzone- Label nach United Kids in Deutschland entschieden. Durch das Veröffentlichen von Bands wie 4Skins („…Immigrants overun our land. Beneftis office with an outstretched hand competing for our homes and jobs. begging in their gypsy mobs. our country is full, fear the worst, shouldn`t we put our own people first…“) stellt Randale Records die „Schnittmenge zwischen Unpolitischer-, Party-, Oi!- Skinheadszene einerseits und offenem Rassismus, Nationalismus, Xenophobie anderseits“. Im Randale Shop finden sich neben tatsächlichen „unpolitischen“ Scheiben auch einiges aus der Sparte Rechtsrock wie beispielsweise die Rechtsrock- Band Ultimo Asalto. Über Altstadt Standard wissen auch zu berichten, dass sie schon gemeinsame Konzerte mit Grauzone-Bands wie Toifelszeug in der Kneipe „Zum Zwinger“ in Herrenberg spielten. Die Kneipe „Zum Zwinger“ fiel in der Vergangenheit immer wieder als Sammelbecken und Stammkneipe von ortsbekannten Neonazis und Rechten auf. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, mit welcher Motivation der Veranstalter, der sich selbst nachdrücklich als unpolitisch gibt, weiter an dem Stomper-Konzert festhält.

Mit einem Brief traten wir an das Jugendhaus Herrenberg heran und führten einige längere Gespräche mit den Verantwortlichen und uns wurde versichert, dass das Konzert nicht im Juha Herrenberg steigen soll. Wochen nach den Gesprächen kommt nun heraus, dass wir mit Absicht falsch informiert wurden und das Konzert doch stattfinden soll, weshalb wir uns gezwungen sehen mit unserer Kritik an der Veranstaltung an die Öffentlichkeit zu gehen und geplante linke und antifaschistische Festivals und Konzerte dort abzusagen.
Wir als AntifaschistInnen, Skinheads, Punks, Bands und KonzertveranstalterInnen aus der Region, erlebten das Jugendhaus Herrenberg im vergangenem Jahrzehnt immer wieder gerne als Austragungsort subkultureller Veranstaltungen, die sich klar gegen rassistische und faschistische Hetze gerichtet haben. Räume, in denen Menschen sich selbst organisieren, fernab von Kommerz und Konsumkultur zusammenkommen und eigene gesellschaftliche Perspektiven entwickeln können, sind gerade heute nicht nur wichtig, sondern unerlässlich!
Wir und alle UnterzeichnerInnen des Briefes fordern die Veranstalter und das Jugendhaus Herrenberg nochmals und diesmal öffentlich dazu auf das Konzert abzusagen, Stellung gegen rechtsoffene Konzerte im Allgemeinen zu beziehen und sich Gedanken über die Rolle eines Vorstandes zu machen, der Kontakte in die rechtsoffene Szene pflegt.
Wir wollen, dass das Juha Herrenberg eine der viel zu wenigen Locations bleibt, in denen wir ein solidarisches Miteinander leben können – ohne uns dafür gegen stumpfe rechte Gedankenwelten wehren zu müssen!
Es gibt so viele gute Bands – und keinen Grund, dass eine wie Stomper 98 im Juha Herrenberg spielt! Fuck the Greyzone!

Zur Unterstützung des offenen Briefs schreibt an: nostomper@gmx.de

Unterzeichnet:

All Power to the People Festival +++ Antifaschistisches Aktionsbündnis Stuttgart und Region (AABS) +++ Antifascist Rock Action Stuttgart (AFRA) +++ Antifascist Booking Crew (ABC) +++ Better Gigs +++ Esperanza Schwäbisch Gmünd +++ G.R.U.N.Z. +++ Lecko Mio Concerts +++ Noise Massacre Shows Esslingen +++ Out of Step +++ Revier 5 +++ Silberburg Nürtingen +++ Produzenten der Froide +++ Wasted Youth +++ Defenders of the Universe +++ Zystem +++ Bierdosen Freunde +++ Murder Disco X +++ The Dahlits +++ Collide and Dischord +++ Cluster +++ Bomb Unit +++ Iron Gates +++ Dislike +++ Überdosis +++ Gypsi Mafia +++ Broke aber Dope +++ Hell & Back +++ Roidige Hunde +++ Beach Bumbs +++ Wolfenstein +++ Helmut Cool +++ Boden +++ Bike Age +++ Nametaker +++ Minus Youth +++ No end in sight +++ I CAN BARELY DRAW (Tattoo Studio) +++ Drastic Actions (Label) +++ Elenders Gym“

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Offenes Treffen im Juli verlegt!

Wegen der Proteste gegen den G20-Gipfel in Hamburg verlegen wir unser offenes Treffen im Juli um eine Woche nach hinten. Anstatt am 6. Juli treffen wir uns erst am 13. Juli. Dann wie gewohnt um 19 Uhr im Linken Zentrum Lilo Herrmann.

Zum den Protesten gegen das G20-Treffen gibt es aus Stuttgart eine größere Mobilisierung. Das NoG20-Bündnis Stuttgart organisiert mit anderen einen Sonderzug nach Hamburg. Der Zug fährt am Mittwochabend – es gibt noch Resttickets! Alle nach Hamburg – nein zum Rechtsruck heißt nein zu G20!

Aktualisiert! Offener Brief – Keine AfD-Veranstaltung in der Brauereigaststätte Dinkelacker

Die Brauereigaststätte Dinkelacker hat auf unseren offenen Brief geantwortet. Dem Betreiber liegt keine AfD-Reservierung vor, er selbst hält nichts von den Rechtspopulisten. Augenscheinlich scheint die AfD sich inkognito zum Stammtisch treffen zu wollen – die Idee ist hiermit aufgeflogen (die Stammtischeinladung ist übrigens öffentlich, siehe Foto). Um Ähnliches in Zukunft zu vermeinden wäre eine öffentliche, antirassistische Positionierung der Brauereigaststätte unabdingbar.
Wir verfolgen die Sache weiter: Rechtspopulistische Treffen sind keine Normalität in unserer Stadt – und sie dürfen es auch nicht werden!

 

 

 


Sehr geehrte Damen und Herren der Dinkelacker-Brauereigaststätte,

sehr geehrtes Ehepaar Ribas-Heredia,

mit Verwunderung mussten wir feststellen, dass verschiedene Stuttgarter Ortsgruppen der „Alternative für Deutschland“ für den 7. Mai 2017 zu einem Stammtisch in Ihre Brauereigaststätte einladen. Dies steht im absoluten Wiederspruch zu den von Ihnen vor nicht all zu langer Zeit gemachten Aussagen, dass die AfD zwar in der Vergangenheit bei Ihnen zu Gast war, Sie ihr zukünftig aber keine Räume mehr zu Verfügung stellen werden. Das können und wollen wir jedoch so nicht unkommentiert lassen.

Zwar sind Aussagen wie beispielsweise die Forderung des Schusswaffengebrauchs gegenüber Geflücheten von Frauke Petry und Beatrix von Storch oder Björn Höckes Rede, in der er das Holocaustmahnmal als „Schande“ bezeichnet schon fast in Vergessenheit geraten. Vielleicht auch, weil es fast täglich neue Meldungen über irgendwelche „Entgleisungen“ von AfD-Politikern gibt. Doch eine Mäßigung oder gar das Ende ihrer menschenverachtenden Politik ist definitiv nicht eingetreten.

Im Gegenteil: Auf dem Bundesparteitags der „Alternative für Deutschland“ in Köln wurden die parteiinternen Konflikte für beendet erklärt. Das Ergebnis dieses Wochenendes ist, dass der rechte AfD-Flügel vom noch weiter rechts außen stehenden Flügel verdrängt wurde. Selbsterklärtes Ziel der AfD ist es, DIE Partei rechts der CSU zu werden.

Mit Alexander Gauland wurde ein völkisch-nationalistischer Hetzer, der selbst innerhalb der AfD am rechteren Rand steht, zum Spitzenkandidat für die Bundestagswahl nominiert. Alice Weidel vervollständigt das Spitzenduo. Sie steht zwar zum einen für die Reste des marktradikalen Flügels, der die AfD einst gegründet hat, andererseits schafft sie es gekonnt auch den Rest der AfD-Mitglieder anzusprechen: Ihre Reden strotzen vor Islamophobie, Rassismus und Nationalismus. So bezeichnete sie die am Osterwochenende stattgefundene Rettung von ca. 8000 Menschen aus seeuntüchtigen Booten vor der afrikanischen Küste als „grenzenlos verblödete“ Aktion. Weidel schafft es neoliberal Wirtschaftspolitik mit astreinem Rassismus und Nationalismus zu kombinieren und „attraktiv“ zu machen.

Aber auch abseits des Spitzenpersonals ist klar: Die AfD steht als gesamte Partei für einen krassen Nationalismus, antifeministische Hetze, Rassismus und eine durch und durch arbeitnehmerfeindliche Politik. Dabei ist die AfD nicht nur – wie bei ihren Parteitagen wie etwa in Köln – auf riesige Hotels angewiesen. Auch im Kleinen benötigen sie Räume um ihre rassistische Hetze vorzubereiten, sich auszutauschen oder ihre menschenverachtende Propaganda unter die Leute zu bringen.

Und eben hier kommen (unter anderem) Sie ins Spiel:

Wir fordern Sie daher auf, sich an frühere Aussagen zu halten und erwarten, dass bestehende Vereinbarungen mit der AfD aufgekündigt werden und Sie in Zukunft von Ihrem Hausrecht gebrauch machen und den Rassisten den Zugang verweigern. Schließlich hat die Hetze gegen Geflüchtete und andere gesellschaftliche Minderheiten mit Meinungsfreiheit nichts zu tun und eine Legitimität für diese Form von Menschenverachtung gab und gibt es nicht.

Es dürfte daher wohl kaum in Ihrem Interesse sein, wenn der Name Dinkelacker mit einer der wenigen Lokalitäten in Verbindung gebracht wird, die der AfD in Stuttgart ihre Räumlichkeiten zu Verfügung stellen.

Im Gegenteil: Nutzen Sie diese Chance sich offen gegen die AfD und für eine offene und solidarische Gesellschaft zu positionieren. Viele GaststättenbetreiberInnen und CafébesitzerInnen, auch in der Tübingerstraße, haben das in den letzten Monaten schon getan. Beispielsweise durch die Unterstützung der „Kein Raum für rechte Hetze“-Kampange.

Wir fordern Sie daher auf, sich bis zum 1. Mai zu öffentlich zu positionieren und der AfD für den 7. Mai und die Zukunft eine Absage zu erteilen!

Andernfalls muss Ihnen klar sein, dass wir jegliche Zusammenarbeit mit der AfD nicht tolerieren werden und gemeinsam mit anderen öffentlichen Widerstand gegen das Treffen der Rechtspopulisten organisieren werden. Denn, wer Rassisten Räume zu Verfügung stellt – sei es aus politischer Überzeugung oder Profitstreben – macht sich mitschuldig am gesellschaftlichen Rechtsruck.

Mit freundlichen Grüßen,

Antifaschistisches Aktionsbündnis Stuttgart & Region (AABS)

Antifaschist in U-Haft – Rote Hilfe ruft zur Solidarität auf!

Im Rahmen der gestrigen Proteste gegen die Feierlichkeiten der AfD zum Tag der Deutschen Einheit wurde ein Stuttgarter Antifaschist festgenommen. Am heutigen Dienstag wurde dieser nun dem Haftrichter vorgeführt. Obwohl die Staatsanwaltschaft, bei Zahlung einer Kaution, keinen zwingenden Grund für eine Fortsetzung der Inhaftierung sah, ordnete Richter Schulze Untersuchungshaft für den Genossen an. Eine mögliche Gerichtsverhandlung wurde auf den 17. Oktober terminiert. Weiterlesen

Jetzt erst Recht: Eingreifen statt zuschauen! In Gedenken an Jimi Joonas Karttunen

Am 10. September 2016 attackierten Faschisten den 28-jährigen Jimi Joonas Karttunen während einer rechten Kundgebung in der finnischen Hauptstadt Helsinki. Jimi erlag den dadurch verursachten Verletzungen sechs Tage später. Er starb am 16. September an einer Hirnblutung.

Die Täter aus den Reihen der Nazigruppe „Finnische Widerstandsbewegung“ (Suomen Vastarintaliike) haben in der Vergangenheit bereits durch Angriffe auf MigrantInnen, GewerkschafterInnen und die finnische „Gay Pride“ von sich reden gemacht. Mit einer Spuckgeste in Richtung der Faschisten machte Jimi während ihrer Kundgebung direkt vor dem Hauptbahnhof der finnischen Hauptstadt klar, dass ihnen nichts als Ablehnung und Verachtung gebührt. Die Reaktion war ein gezielter körperlicher Angriff, in dessen Folge er so heftig mit dem Kopf auf dem Boden aufschlug, dass er im Anschluss stationär behandelt werden musste und schließlich einige Tage nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus den Folgen einer Hirnblutung erlag.

Die Faschisten brüsten sich mit dem Mord und verkaufen den Angriff zynisch als „Zurechtweisung“ und „Selbstverteidigung“. Die während der Kundgebung mit einem Streifenwagen anwesende Polizei behauptet, die Fahnen der Naziorganisation nicht gekannt zu haben und will den tödlichen faschistischen Angriff vor Ort nicht als „schwerwiegend“ wahrgenommen haben. Es ist keine große Überraschung, dass staatliche Behörden im Kampf gegen die rechte Gefahr alles andere als hilfreich sind. Auch wenn wir auf derartige Beweise gerne verzichten würden, bleibt es dabei: Um die Menschenverachter zurückzudrängen, müssen wir selbst Hand anlegen und dürfen nicht hilfesuchend an Staatsorgane appellieren, die seit Jahrzehnten beeindruckend veranschaulichen, wie rechte Gewalt verharmlost, ignoriert oder gar gefördert werden kann. Das gilt für den deutschen Staat, dessen „Sicherheitsbehörden“ exemplarisch ein enges Verhältnis zum NSU-Netzwerk aufrecht erhielten, ebenso wie für Finnland, wo die Rechtspopulisten einen Teil der Regierungskoalition bilden und der Justizminister sich zusammen mit der Polizei über die tatkräftige Hilfe von offen faschistischen Bürgerwehren freut.

Unser Mitgefühl und unsere Solidarität gilt allen Angehörigen und Freunden von Jimi. Über 15.000 Menschen sind am 24. September in ganz Finnland unter dem Motto „Das muss aufhören!“ gegen faschistische Gewalt auf die Straße gegangen. „Das muss aufhören!“ gilt auch hier: abgesehen von der unerträglichen alltäglichen rassistischen Gewalt, sollten die pogromartigen Highlights in Bautzen, Freital und Co., ein Jahresdurchschnitt von 600 brennenden Geflüchtetenunterkünften, SA-Fanvereine im Gewand von Bürgerwehren und die Detonationen vor einer Moschee und einem internationalen Kongresszentrum in Dresden am Jahrestag des Oktoberfestattentats, als überdeutliche Warnhinweise ausreichen.

Jimi Joonas Karttunen bleibt unvergessen.

Organisiert den antifaschistischen Selbstschutz!

Kurt Pätzold ist tot

Einer der Letzten, die die Dinge bei ihrem Namen nannten. Kurt Pätzold ist tot. Er starb bereits am Donnerstag nach schwerer Krankheit.
Pätzold war in der DDR einer der bekanntesten Forscher zur Geschichte des deutschen Faschismus. Er war dort bis Ende 1990 Inhaber des Lehrstuhls für deutsche Geschichte und wurde nach der Einverleibung der DDR 1992 entlassen.
Bis zu seinem Tod verfasste Pätzold Bücher und Aufsätze rund um den deutschen Faschismus und hielt Vorträge. Auch bei uns in Stuttgart, zuletzt Ende April 2015 im Linken Zentrum Lilo Herrmann. Thema war damals „70 Jahre Befreiung vom deutschen Faschismus“.
Mit seinem Tod hinterlässt Kurt Pätzold eine Lücke, nicht nur hinsichtlich gelungener Veranstaltungen, die oft genug in ein bemerkenswertes und erkenntnisreiches Zwiegespräch zwischen Publikum und Referenten übergingen, sondern im Bezug auf sein Steckenpferd: Die Analyse des Faschismus an der Macht als „die offene, terroristische Diktatur der reaktionärsten, chauvinistischsten, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals.“
Er wird fehlen, gerade in Zeiten wie diesen.

Solidarität statt Spaltung!

13254513_1087852624620600_266642180425907951_nDie RoHi Stuttgart hat einen Spendenaufruf wegen der Proteste an der Messe veröffentlicht:

Konsequent versuchte die Polizei jeden Protest gegen den AfD Bundesparteitag am 30. April in Stuttgart zu verhindern. Bereits im Vorfeld wurde eine Kundgebung in Seh- und Hörweite der Rechtspopulisten faktisch verboten. Am Tag selber setzte die Polizei hunderte DemonstrantInnen fest. Über 600 Ingewahrsamnahmen wurden dem Ermittlungsausschuss der Roten Hilfe gemeldet. Die Bedingungen, unter denen die Betroffenen den Tag verbringen mussten, waren katastrophal: Mehrere AktivistInnen kollabierten in der Gefangenensammelstelle und mussten in Krankenhäuser eingeliefert werden. Doch damit nicht genug. Auch jetzt, im Nachgang der Proteste, ist mit Kriminalisierungsversuchen und Strafverfahren zu rechnen. Die Rote Hilfe e.V. unterstützt als strömungsübergreifende Solidaritätsorganisation die Betroffenen staatlicher Repression. Selbstverständlich werden wir auch diejenigen unterstützen, die am 30. April gegen die AfD auf der Straße waren. Hierfür sind wir auf Eure Spenden angewiesen. Lassen wir die Betroffenen nicht allein. Solidarität ist eine Waffe!

Spendenkonto
Empfänger: Rote Hilfe OG Stuttgart
IBAN: DE66 4306 0967 4007 2383 13 BIC: GENODEM1GLS