Überbleibsel einer Bewegung, die ihren Zweck erfüllt hat

Im Rahmen ihrer bundesweiten Bus-Tour hatte sich die „Demo für Alle“ für den heutigen Freitag Nachmittag in Stuttgart angekündigt. Was sich tatsächlich auf dem Marktplatz einfand, waren die eher kläglichen Überbleibsel einer Bewegung, die ihren Zweck ja auch bereits erfüllt hat: Anders als vor vier Jahren, als die „Demo für Alle“ noch bis zu 5000 Menschen auf die Straße brachte, sitzt die Partei des Rechtsrucks mittlerweile im Bundestag und ist in der Lage (zu anderen Themen) eigene Großdemonstrationen durchzuführen.

Stattdessen entwickelte die Mobilisierung zu einer bürgerlichen Gegenkundgebung – im Angesicht der Nachrichten aus Chemnitz und Köthen – eine für Stuttgart ungewöhnliche Dynamik. Initiiert von Kräften, die wohl bewusst ein Alternativangebot zu direkten Protesten am Kundgebungsort der Rechten schaffen wollten, war eine solch klare Trennung am heutigen Tag kaum zu ziehen. Der anfängliche Versuch der Polizei, alle Menschen, die von der Kundgebung für Vielfalt zu den Protesten am „Demo für Alle“ Bus wollten, zu kontrollieren, erwies sich schnell als undurchführbar. Generell war die Bereitschaft, sich mit Lippenbekenntnissen und „Zeichen setzen“ nicht zufrieden zu geben, groß. Dem Aufruf – bereits im Vorfeld, aber auch heute in Redebeiträgen und breit verteilten Flyern – sich den direkten Protesten anzuschließen, folgten über den Nachmittag verteilt über tausend Menschen. So war die Kundgebung der Rechten die vollen zweieinhalb Stunden hinweg permanent von Gegenprotest umstellt. Die Reden (u.a.) von DfA-Frontfrau Hedwig von Beverfoerde und dem Stuttgarter CDU-Bezirksbeirat Karl-Christian Hausmann waren über die Absperrung hinaus nicht zu verstehen. Laufpublikum erreichte den Bus eben so wenig, sodass die ausharrenden Rechten eine halbe Stunde früher als geplant abfuhren.

Für uns sicherlich keine Überraschung, in Anbetracht der „Überforderung“ in Chemnitz jedoch erwähnenswert, war die hohe Zahl vorhandener Polizeikräfte, die den Marktplatz von mehreren Dächern aus permanent abfilmte, den „Demo für Alle“-Bus mit sechs Mannschaftswägen von der Autobahn bis zum Marktplatz eskortierte und nicht nur den Kundgebungsort, sondern auch gleich die Zufahrtsstraße mit Hamburger Gitter absperrte.

Lassen wir uns davon nicht abschrecken, sondern bestärken: Im Wissen, dass wir Antifaschismus selber machen müssen! Dass sich dabei so viele Menschen beteiligen, ist ein Erfolg, an den wir anknüpfen wollen. Gehen wir die kommenden Aufgaben an:

  • Morgen, Sa 15.09. | Antifaschistische Kundgebung nach einem rassistischen Übergriff in Winnenden vergangene Woche | 11:55 Uhr | Marktplatz Winnenden
  • Nächstes Wochenende, Sa 22.09. | Unterstützen wir die Proteste gegen die rassistische AfD-Demonstration zur Schließung der Landeserstaufnahmestelle in Ellwangen | Zugfahrt aus Stuttgart | 9:00 Uhr | Bahnhofshalle (Burger King)
  • Am selben Abend, Sa 22.09. | Bericht & Diskussionsveranstaltung „Was tun nach Chemnitz?“ | 18:30 Uhr | Württembergischer Kunstverein
  • Do 04.10. | Nächstes AABS-Treffen | Kommt vorbei und werdet selbst aktiv! | 19:00 Uhr | Linkes Zentrum Lilo Herrmann
  • Sa 14.10. | Kundgebung anlässlich der Bayern-Wahl – gegen Spaltung und rechte Hetze! | 17:30 Uhr | Schlossplatz
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