Proteste gegen Nazikundgebung in Göppingen

Wie vor erst zwei Tagen bekannt wurde, hatte die faschistische Kleinstpartei „Der Dritte Weg“ für den heutigen Samstag (23.07.2016) in der Göppinger Innenstadt eine Demonstration angemeldet. Zwar wurde die Demonstration mit Verweis auf den „polizeilichen Notstand“ (ein Großteil der Göppinger Polizei war wohl für Einsätze in Bayern eingeplant) verboten, die angemeldete Kundgebung jedoch wurde auf dem Bahnhofsparkplatz genehmigt.

Unmittelbar neben dem geplanten Kundgebungsort versammelten sich trotz der kurzen Mobilisierungszeit ab 13.30 Uhr knapp 100 AntifaschistInnen. Gegen 14.00 Uhr reisten die knapp 50 Faschisten geschlossen mit der Bahn an und wurden, von der Polizei abgeschirmt, auf den Parkplatz gebracht. Dort wurden sie von Anfang an mit lautstarkem Protest und Parolen konfrontiert.

Während der zweistündigen Kundgebung der Rechten mit mehreren Hetzreden zeigte sich, dass die meisten der anwesenden Faschisten größtenteils aus Franken angereist waren und nicht aus der Region stammen. Die wenigen anwesenden lokalen Nazis (u.a. Ganser, Teichmann, Meier, Böhringer) sind allesamt von den „Autonomen Nationalisten GP“ und den „Freien Nationalisten Esslingen“bekannt.

Die Polizei war mit einem großen Aufgebot inklusive Reiterstaffel vor Ort. Wie schon einige Jahren zuvor bei den Aufmärschen der „AN Göppingen“ wurde erneut ein Güterzug auf den Gleisen im Göppinger Bahnhof abgestellt, um die Nazis bei ihrer Anreise zu schützen und abzuschirmen, sowie Protest von der Rückseite zu verhindern. Während der gesamten Proteste traten die Bullen immer wieder aggressiv und provokant auf und beschimpften und beleidigten die GegendemonstrantInnen mit Aussagen wie „Ihr scheiß Kommunisten“.

Da sich die Bullen während der Proteste ausschließlich auf die AntifaschistInnen konzentrierten, konnten die Faschos gegen Ende ihrer Kundgebung ungehindert in die Stadt losziehen und führten dort eine Spontandemonstration durch, welche in einem Wanderkessel von den Bullen lediglich begleitet wurde. Hierbei kam es vereinzelt zu konfrontativen Situationen, in denen sich die Nazis lieber zurückzogen als auf diese einzugehen.

Der heutige Aufmarsch verdeutlicht, dass sich die verblieben Nazis aus der „AN-Generation“ reorganisieren und dieses Mal versuchen sich unter dem Label des „Dritten Wegs“ in der Region zu etablieren und verstärkt Präsenz zu zeigen. Sie können hierbei bisher nur auf parteiinterne Strukturen und nicht auf die lokale Naziszene zurückgreifen. Dabei kommen ihnen jedoch ohnehin schon vorhandene rechte Stimmungen in der Stadt Göppingen zugute. Auch am heutigen Tag wurde deutlich, dass die Göppinger Bevölkerung kaum Interesse daran hat, das Naziproblem in ihrer Stadt anzugehen.

In dieser ohnehin schon schwierigen Ausgangssituation beteiligte sich das ortsansässige Bündnis „Kreis Göppingen Nazifrei“ lediglich mit aufgehängten Plakaten, war jedoch bei den Protesten nicht anwesend. Trotzdem nahmen einzelne Göppinger BürgerInnen und Bürger an den Protesten teil.

Nicht erst der heutige Tag hat gezeigt, dass sich die Faschisten in Göppingen zum wiederholten Male niederlassen können. Für uns steht fest, dass eine erhöhte antifaschistische Präsenz in Göppingen unabdingbar ist, um einem Wiedererstarken der Faschisten entgegenzuwirken.

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