Bericht zur Antifa-Demo am 9. Mai

3Am 9. Mai fand in der Stuttgarter Innenstadt eine überregionale Demonstration zum 70. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus statt. Knapp 30 Gruppen und Organisationen riefen gemeinsam zu der Aktion auf, um an die Zerschlagung des deutschen Faschismus zu erinnern und auf die Notwendigkeit des aktuellen Kampfes gegen Rassismus und Krieg aufmerksam zu machen.

An der Demonstration beteiligten sich über 400 Menschen aus der Friedensbewegung, dem gewerkschaftlichen Spektrum, sowie antifaschistischen und linken Zusammenhängen. Nach internationalistischer Live-Musik und Redebeiträgen, unter anderem von der VVN-BdA und dem Antifaschistischen Aktionsbündis Stuttgart & Region (AABS), zog der Demonstrationszug durch die Innenstadt zum Mahnmal für die Opfer des Faschismus. Am Demo-Bereich des AABS unter dem Motto „Faschisten bekämpfen!“ beteiligten sich rund 150 AntifaschistInnen. Mit Seitentransparenten und lautstarken Parolen bildeten sie einen kämpferischen Teil der Demonstration und bekräftigten die wichtige Rolle der entschlossenen Praxis auf der Straße als Element des antifaschistischen Abwehrkampfes.

Die Stuttgarter Polizei belästigte die Demonstration von Beginn an mit einem hochgerüsteten Aufgebot. Nach einem unangekündigten Stopp auf einer zentralen Straßenkreuzung, bei dem der Abzug des aufdringlichen Spaliers gefordert wurde, zogen sich schließlich zumindest Teile der Polizeikräfte zurück. Der Versuch der Polizei, die Demo zum Tag der Befreiung als abschreckenden Wanderkessel durch die Stadt zu führen, ist eine politische Geschmacklosigkeit. In Anbetracht der repressiven „Stuttgarter Linie“ von Polizei und Staatsanwaltschaft der letzten Jahre, ist dieses Auftreten aber alles andere als eine Überraschung.
Die Demonstration endete ohne weitere Zwischenfälle mit einem Konzert der linken Band „Einheizfront“ am Mahnmal der Opfer des Faschismus, sowie weiteren Redebeiträgen der IG Metall und dem AK Asyl.

Im Anschluss an die Demonstration zogen rund 50 AktivistInnen ohne Anmeldung und Polizeibegleitung in einer kurzen Demonstration zum Gedenkstein für die kommunistische Widerstandskämpferin Liselotte „Lilo“ Herrmann im zentral gelegenen Unipark. Der Stein wurde 1988 von linken AktivistInnen, die unter anderem im Stadtjugendring aktiv waren, im Rahmen einer Gedenk-Aktion zum 50. Todestag Lilo Herrmanns selbstbestimmt aufgestellt. Die Universitätsleitung verweigerte damals die offizielle Errichtung eines Gedenksteins auf dem Universitätsgelände mit Verweis auf die Extremismustheorie, die das Wirken von revolutionären Linken mit dem Terror der Nazis gleichsetzt.

Am Gedenkstein verlas eine Antifaschistin eine Rede zu Lilo Herrmann und der Bedeutung des revolutionären Widerstandes gegen den Faschismus. Mit einer Schweigeminute und anschließenden Parolenrufen wurde die Aktion gemeinsam beendet. Ein gerahmtes Bild von Lilo und zahlreiche rote Nelken schmückten anschließend den sonst so unauffälligen Stein.

Erinnern heißt kämpfen!

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