Auf zur Demo nach Sinsheim

sinsheim-211x300Am 22.03.2014 findet eine antifaschistische Demo in Sinsheim statt. Auch wir vom Antifaschistischen Aktiosnbündnis Stuttgart & Region  mobilisieren zu dieser Demo. An dieser Stelle dokumentieren wir den Aufruf der Antifaschistischen Aktion Heilbronn.

Nazistrukturen im Kraichgau bekämpfen!
Gemeinsam gegen faschistische und rassistische Hetze!

Spä­tes­tens seit dem Jahr 2009 hat sich die Re­gi­on Kraich­gau zu einem der wich­tigs­ten Brenn­punk­te und kom­for­ta­bels­ten Rück­zugs­räu­me für fa­schis­ti­sche Ak­teu­re in Ba­den-​Würt­tem­berg ent­wi­ckelt.
In der geo­gra­phisch zwi­schen Heil­bronn, Karls­ru­he und Hei­del­berg ge­le­ge­nen Re­gi­on tre­ten die Fa­schis­ten immer of­fen­si­ver auf. Ähn­lich wie in der Re­gi­on Göp­pin­gen ver­su­chen sie hier, durch Ak­tio­nis­mus, re­gel­mä­ßi­ges Auf­tre­ten in der Öf­fent­lich­keit und das Ein­schüch­tern von po­li­ti­schen Geg­nern eine rech­te He­ge­mo­nie zu er­rich­ten. Er­leich­tert wird ihnen das durch den Um­stand, dass viele Nazis in der länd­lich ge­präg­ten Re­gi­on über Jahre in der Dorf­ge­mein­schaft der klei­nen Ort­schaf­ten ver­an­kert sind. Sie tre­ten auf Dorf­fes­ten und in Sport­ver­ei­nen offen auf. An und für sich ist das zwar nichts neues, aber wäh­rend die Na­zi­sze­ne im Kraich­gau jah­re­lang von nied­ri­gem Or­ga­ni­sie­rungs­grad ge­prägt war, gibt es heute meh­re­re Struk­tu­ren die vor Ort mehr oder we­ni­ger ver­bind­lich ihre Hetze ver­brei­ten.

Die NPD – Bie­de­re Brand­stif­ter
Zu­erst wäre hier die Na­zi-​Par­tei NPD zu nen­nen. Deren stets bie­der mit Anzug und Kra­wat­te auf­tre­ten­der Kreis­vor­sit­zen­der Jan Ja­eschke er­klär­te Sins­heim bei einer Kund­ge­bung im Jahr 2013 groß­mäu­lig zur Haupt­stadt des Kreis­ver­bands Rhein-​Ne­ckar. Die lo­ka­le NPD ver­sucht die­sem An­spruch durch viel­fäl­ti­ge Ak­ti­vi­tä­ten, wie bei­spiels­wei­se dem re­gel­mä­ßi­gen Ver­tei­len von Fly­ern, „Ka­me­rad­schafts­aben­den“, po­li­ti­schen Ver­an­stal­tun­gen und Info­stän­den ge­recht zu wer­den. Der Selbst­dar­stel­ler Ja­eschke drängt zudem mit sei­nem Ge­sicht immer wie­der in die Öf­fent­lich­keit. Hier­für ver­such­te er in den Ver­gan­gen­heit schon mehr­fach, Ver­an­stal­tun­gen bür­ger­li­cher Par­tei­en zu nut­zen. Ihr ver­hält­nis­mä­ßig hohes Er­geb­nis von 2,5 Pro­zent der Zweit­wäh­ler­stim­men in Sins­heim bei den ver­gan­ge­nen Bun­des­tags­wah­len fei­ern die Fa­schis­ten als durch­schla­gen­den Er­folg. Er­mu­tigt davon wol­len sie nun bei den kom­men­den Ge­mein­de­rats­wah­len in den Stadt­rat von Sins­heim ein­zie­hen.

Die „Frei­en Na­tio­na­lis­ten Kraich­gau“

Eng ver­netzt mit der lo­ka­len NPD sind die „Frei­en Na­tio­na­lis­ten Kraich­gau“, ein Zu­sam­men­schluss aus er­fah­re­ne­ren „Ka­me­ra­den“ und ak­ti­vis­tisch ori­en-​tier­ten jun­gen Nazis, wobei mehr­fach Dop­pel­mit­glied­schaf­ten zur Par­tei-​struk­tur be­ste­hen. Die Ka­me­rad­schaft trat zwar in der Ver­gan­gen­heit wenig durch aus­ge­feil­te State­ments in Er­schei­nung und ließ sich ihre In­hal­te bei­spiels­wei­se von der NPD vor­ge­ben, mach­te aber mit einem regen Ak­ti­vis­mus und De­mo-​Tou­ris­mus von sich Reden. Seit 4 Jah­ren or­ga­ni­sie­ren die „FN Kraich­gau“ zudem ge­mein­sam mit der NPD jähr­lich im März eine Mahn­wa­che die här­te­re Stra­fen für „Kin­der­schän­der“ for­dert. Auch tra­ten Mit­glie­der der Grup­pe in der Ver­gan­gen­heit bei Wah­len auf Lis­ten der NPD an, über­neh­men, wie Jo­han­nes Bach­mann aus Sin­heim-​Düh­ren lo­ka­le Par­tei­äm­ter, und un­ter­stüt­zen die Na­zi­par­tei lo­gis­tisch und ak­ti­vis­tisch.
Ge­ra­de Sins­heim be­trach­ten die Nazis dabei als ihren Ak­ti­ons­raum in dem sie ganz nach Wunsch schal­ten und wal­ten kön­nen oder wie Jo­han­nes Bach­mann das aus­drückt: „Un­se­re Stadt, un­se­re Re­geln!“.

Rück­zugs­raum für Nazis
Das ihnen ge­neh­me po­li­ti­sche Klima hat dazu ge­führt, dass sich die Re­gi­on in der Ver­gan­gen­heit immer mehr zum Rück­zugs­raum für Fa­schis­ten jeder Cou­leur ent­wi­ckelt hat. So hielt die mitt­ler­wei­le ver­bo­te­ne „Hei­mat­treue deut­sche Ju­gend“ mehr­fach Ver­an­stal­tun­gen in Sins­heim ab und auch die „JN Heil­bronn-​Ho­hen­lo­he“ konn­ten hier ge­mein­sam mit den „FN Kraich­gau“ un­ge­stört Som­mer­fes­te ver­an­stal­ten.
Auch für die „Weiße Re­bel­li­on“, eine klas­si­sche Skin­head­ka­me­rad­schaft, scheint der Kraich­gau ein at­trak­ti­ver Ent­fal­tungs­raum zu sein, in dem die Kli­schee-​Na­zis ihre Ka­me­rad­schafts­ri­tua­le und ihre Sub­kul­tur aus­le­ben kön­nen.

Be­droh­li­che Si­tua­ti­on

Das wach­sen­de Selbst­be­wusst­sein der Fa­schis­ten wird dabei immer mehr zur Be­dro­hung für alle die nicht in ihr men­schen­ver­ach­ten­des Welt­bild pas­sen. So wur­den schon mehr­fach als an­ti­fa­schis­tisch ein­ge­ord­ne­te Ju­gend­li­che von Nazis kör­per­lich an­ge­grif­fen, re­gio­nal be­kann­te Na­zi­geg­ne­rIn­nen wer­den be­droht und ein­ge­schüch­tert und an­ti­fa­schis­ti­sche Ak­ti­vi­tä­ten in der Re­gi­on ge­stört.
Doch auch die mitt­ler­wei­le rund 480 Ge­flüch­te­ten, die im Raum Sins­heim un­ter­ge­bracht sind, ge­ra­ten zu­neh­mend ins Vi­sier der Fa­schis­ten. Er­mu­tigt von der ak­tu­el­len ras­sis­ti­schen Welle in der BRD und den al­ler­orts aus dem Boden sprie­ßen­den „Bür­ger-​in­itia­ti­ven“ die gegen Flücht­lin­ge mobil ma­chen, wol­len auch die Kraich­gau­er Nazis ver­su­chen aus der um­kämpf­ten The­ma­tik po­li­ti­sches Ka­pi­tal zu schla­gen. So kün­dig­te die NPD Rhein-​Ne­ckar an, das Thema ver­stärkt im Kom­mu­nal­wahl­kampf the­ma­ti­sie­ren zu wol­len. Vor dem Hin­ter­grund der bun­des­weit an­stei­gen­den Zahl der Brand­an­schlä­ge auf Asyl­be­wer­be­rIn­nen­hei­me wird dies auch ganz kon­kret zur Be­dro­hung für die Ge­flüch­te­ten.

Feh­len­der Wi­der­stand

Ver­schärft wird die Si­tua­ti­on in der Re­gi­on durch das Feh­len ver­bind­li­cher an­ti­fa­schis­ti­scher Struk­tu­ren und der klei­nen Zahl von Ak­ti­vis­tin­nen und Ak­ti­vis­ten, wel­che zudem nicht in der An­ony­mi­tät einer Groß­stadt ver­schwin­den kön­nen.
Sich im Kampf gegen Nazis auf die bür­ger­li­chen Par­tei­en und die staat­li­chen Be­hör­den zu ver­las­sen, stellt sich wäh­rend des­sen auch im Kraich­gau als fa­ta­ler Feh­ler her­aus. Ge­ra­de die Sins­hei­mer Be­hör­den haben sich in der Ver­gan­gen­heit da­durch her­vor­ge­tan, ge­plan­te Na­zi­auf­mär­sche sogar dem Ge­mein­de­rat zu ver­heim­li­chen und an­ti­fa­schis­ti­sche Pro­tes­te zu be­hin­dern, wäh­rend die Re­pres­si­ons­be­hör­den ihren Ta­ten­drang lie­ber will­kür­lich auf An­ti­fa­schis­tIn­nen rich­ten, statt sich wirk­lich mit dem Na­zi­pro­blem in der Re­gi­on aus­ein­an­der zu set­zen. Nach einem An­griff auf einen NPD-​Stand in Sins­heim 2013 wur­den bei­spiels­wei­se in Mann­heim die Woh­nun­gen von meh­re­ren An­ti­fa­schis­tIn­nen rechts­wid­rig durch­sucht und Er­mitt­lun­gen gegen sie ein­ge­lei­tet.

An­ti­fa­schis­ti­schen Wi­der­stand ent­wi­ckeln!
Trotz sol­cher Wi­der­stän­de müs­sen wir als An­ti­fa­schis­tin­nen und An­ti­fa­schis­ten auf ver­schie­de­nen Ebe­nen mit un­ter­schied­li­chen Mit­teln aktiv wer­den. Wir müs­sen ei­ner­seits den Fa­schis­ten einen kon­se­quen­ten An­ti­fa­schis­mus ent­ge­gen­set­zen. Dazu gilt es Ent­wick­lun­gen und Struk­tu­ren per­ma­nent zu be­ob­ach­ten, die Ak­teu­re aus der An­ony­mi­tät zu rei­ßen, sie immer wie­der zu kon­fron­tie­ren und damit die ört­li­chen An­ti­fa­schis­tIn­nen zu un­ter­stüt­zen und zu stär­ken. An­de­rer­seits müs­sen wir den Kampf um die öf­fent­li­che Mei­nungs­ho­heit füh­ren, die Dem­ago­gie der Nazis immer wie­der ent­lar­ven und an­ti­fa­schis­ti­sche und an­ti­ras­sis­ti­sche Kul­tur in der Re­gi­on ver­an­kern. Diese Kämp­fe müs­sen wir mit mög­lichst vie­len ver­schie­de­nen Men­schen ge­mein­sam füh­ren um den Wi­der­stand gegen die Fa­schis­ten breit zu ver­an­kern. Hier gilt es, Bünd­nis­ar­beit auf Au­gen­hö­he, fern­ab von iden­ti­tä­rer Ab­gren­zung und Ra­di­ka­lis­mus zu be­trei­ben und un­ter­schied­li­che An­sät­ze zu ach­ten und ein­zu­be­zie­hen. Denn nur ge­mein­sam sind wir stark!

Kommt zum an­ti­fa­schis­ti­schen Block auf der De­mons­tra­ti­on am 22. März in Sins­heim!
Für einen ak­ti­ven An­ti­fa­schis­mus!
Nazis keine Basis bie­ten!
Kein ru­hi­ges Kraich­gau für die Fa­schis­ten!

22.03.2014| 10:30 Uhr |Anreise Antifa Demo|Stuttgart HBF (Burger King)

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